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Wer gemeinsam gründet, hat selten ein echtes Wochenende. Unternehmensberatung & Marketing in Madrid.

Autorenbild:  fiery+glint
fiery+glint
11. Okt.
6 Min. Lesezeit

Sonntag, 16:30 Uhr. Madrid, strahlender Sonnenschein. Ein Brunnen plätschert im Hintergrund, irgendwo klirren Kaffeetassen, Menschen bleiben kurz stehen, um ein Foto zu machen.


Auch wir machen eins. Ein Foto für die Erinnerung.


Und trotzdem arbeitet in zwei Köpfen noch etwas weiter.


Irgendwo zwischen Spaziergang und Kaffee fällt der Satz: „Hast du eigentlich schon an das Angebot für Montag gedacht?“


Lächelndes Paar sitzt am Brunnen vor einem Denkmal mit Löwen im sonnigen Platz, blauer Himmel.
Ein glücklicher Moment, festgehalten mit Mandy und Marcel am Brunnen nahe dem Palacio Real in Madrid.

Das ist die Realität, wenn man mit dem Menschen, den man liebt, ein Unternehmen aufbaut. In meinem Fall mit Marcel Dietrich. Wir teilen Alltag, Entscheidungen, Verantwortung, Unsicherheit und eine Vision. Manchmal auch den Gedanken an ein Kundenangebot an einem sonnigen Sonntagnachmittag.


Wochenende bedeutet bei uns nicht automatisch Pause. Es bedeutet ein anderer Rhythmus. Langsamer, freier, oft schöner. Aber selten komplett still.


Vor fast einem Jahr haben wir Kiel verlassen und sind nach Madrid gezogen. Ohne Sicherheitsnetz. Ohne fertigen Plan B, der sich weich anfühlt. Aber mit der Überzeugung, etwas Eigenes aufzubauen.


Heute führen wir gemeinsam FIERY+GLINT, eine Unternehmensberatung und Marketing Agentur für den DACH-Markt. Als Geschäftspartner und als Paar.


Wenn uns jemand fragt, wie das funktioniert, lautet die ehrliche Antwort: nicht von allein.


Ein gemeinsames Unternehmen für Unternehmensberatung & Marketing ist kein romantisches Nebenprojekt.

Von außen klingt es oft fast charmant. Zwei Menschen lieben sich, haben ähnliche Werte, teilen eine Vision und bauen daraus ein Unternehmen. Das Bild ist warm. Fast filmreif.


Die Realität ist weniger dekorativ.


Ein gemeinsames Business bedeutet, dass berufliche Entscheidungen plötzlich sehr nah an das private Leben rücken. Es gibt keine neutrale Distanz, keine klare Tür, die um 18:00 Uhr zufällt. Wenn ein Projekt gut läuft, feiern wir gemeinsam. Wenn etwas klemmt, tragen wir es auch gemeinsam.


Das kann sehr verbinden. Es kann aber auch Druck erzeugen.


Denn auf einmal geht es nicht nur um eine Strategie, einen Kunden, ein Angebot oder eine Positionierung. Es geht auch um Miete, Pläne, Energie, Urlaube, Schlaf und die Frage, wie viel Risiko zwei Menschen gleichzeitig tragen können.


Gerade im B2B-Kontext, wo Vertrauen, Verlässlichkeit und Klarheit entscheidend sind, spüren wir diese Verantwortung sehr konkret. Kunden sehen am Ende nicht nur eine schöne Marke. Sie erleben, wie wir denken, kommunizieren, priorisieren und Entscheidungen treffen.


Und genau dort beginnt die eigentliche Arbeit.


Unternehmertum kennt keinen automatischen Feierabend.

Der wichtigste Unterschied zwischen Anstellung und Selbstständigkeit liegt für mich nicht in der Arbeitszeit. Er liegt im Kopf.


Wenn man etwas Eigenes aufbaut, begleitet einen das Unternehmen. Nicht immer laut. Manchmal nur als leiser Gedanke im Hintergrund. Eine Formulierung, die besser werden könnte. Eine Kundenfrage, die noch nachwirkt. Eine Idee für ein Angebot. Eine strategische Entscheidung, die noch nicht rund ist.


Das passiert auch am Wochenende.


Lange dachte ich, wir müssten das vermeiden. Als wäre ein Gedanke an FIERY+GLINT am Sonntag ein Zeichen dafür, dass wir keine Grenze ziehen können. Heute sehe ich das differenzierter.


Der Gedanke ist nicht das Problem. Unbewusstes Arbeiten ist das Problem.


Es macht einen Unterschied, ob wir beim Spaziergang immer wieder in Aufgaben abrutschen oder ob wir klar entscheiden: Diese eine Sache besprechen wir jetzt zehn Minuten, danach legen wir sie weg.


Das klingt banal. Für uns war es ein großer Schritt.


Wir haben gelernt, nicht jeden beruflichen Impuls sofort zu verfolgen. Manchmal sagen wir: „Guter Punkt, lass uns das Montag anschauen.“ Manchmal entscheiden wir bewusst, kurz darüber zu sprechen, weil es gerade Druck rausnimmt. Und manchmal merken wir, dass ein Gedanke auftaucht, weil wir müde sind, nicht weil er wichtig ist.


Diese Unterscheidung hilft enorm.


Klare Rollen schützen die Beziehung.

In einem Unternehmen braucht es Zuständigkeiten. In einer Beziehung braucht es Vertrauen. Wenn beides verschwimmt, entstehen schnell Konflikte, die größer wirken, als sie sind.


Wer entscheidet über was? Wer führt welches Gespräch? Wer hat bei einem Thema das letzte Wort? Wer ist Sparringspartner, wer ist verantwortlich?


Solange diese Fragen offen bleiben, fühlt sich jede fachliche Differenz schnell persönlich an.


Ein Beispiel: Wenn eine Person an einer Positionierung arbeitet und die andere ständig kleinteilig kommentiert, kann das fachlich gemeint sein. Es kann sich aber anfühlen wie Kontrolle. Oder wie fehlendes Vertrauen.


Sobald Rollen klar sind, ändert sich die Dynamik.


Dann ist Kritik nicht automatisch ein Angriff. Dann darf eine Person sagen: „Ich sehe das anders“, ohne dass daraus ein Grundsatzkonflikt wird. Dann geht es um das bessere Ergebnis, nicht um die Frage, wer sich durchsetzt.


Bei uns heißt das nicht, dass jede Entscheidung streng getrennt ist. Wir sprechen viel miteinander. Sehr viel. Aber wir versuchen, Verantwortlichkeiten nicht nur zu behaupten, sondern wirklich zu respektieren.


Das ist manchmal schwerer, als es klingt.


Denn wenn man sich liebt, will man helfen. Man sieht etwas, denkt mit, fühlt mit. Doch gut gemeinte Einmischung bleibt Einmischung, wenn sie die Verantwortung der anderen Person untergräbt.


Klare Rollen sind deshalb keine Kälte. Sie sind Schutz.


Eine Meinungsverschiedenheit ist keine Beziehungskrise.

Diesen Satz müssen wir uns regelmäßig sagen.


Eine Meinungsverschiedenheit ist keine Beziehungskrise.


Er klingt schlicht. Fast zu schlicht. Aber für uns ist er einer der wichtigsten Sätze in der Zusammenarbeit.


Wenn man als Paar ein Unternehmen führt, bekommt jede Diskussion eine zweite Ebene. Es geht nicht nur um eine Headline, einen Preis, eine Präsentation oder eine strategische Richtung. Im Hintergrund steht schnell die Frage: Warum versteht mich die andere Person gerade nicht?


Genau da wird es gefährlich.


Denn im Business sind unterschiedliche Perspektiven wertvoll. In der Beziehung können sie sich kurz wie Entfernung anfühlen.


Wir haben gelernt, diese Ebenen aktiv zu trennen. Nicht perfekt, aber besser als zu Beginn.


Wenn wir fachlich nicht einer Meinung sind, versuchen wir zu fragen:


  • Geht es gerade um die Sache oder um ein Gefühl?

  • Verteidige ich eine Idee, weil sie gut ist oder weil sie von mir kommt?

  • Habe ich wirklich zugehört oder war ich schon mit meiner Antwort beschäftigt?

  • Brauchen wir jetzt eine Entscheidung oder erst Abstand?


Diese Fragen nehmen Tempo raus. Sie verhindern nicht jeden Streit. Aber sie verhindern, dass jeder Streit zu groß wird.


Gerade in der Markenkommunikation ist Reibung oft produktiv. Gute Arbeit entsteht selten daraus, dass alle sofort nicken. Sie entsteht, wenn Gedanken geprüft, geschärft und manchmal auch verworfen werden.


Das gilt intern genauso wie in der Arbeit mit Kunden.


Wenn Business und Privatleben aus derselben Quelle leben.

Das größte Risiko liegt an einer Stelle.


Wenn Unternehmen und Privatleben aus derselben Quelle leben, wiegt jede Entscheidung doppelt. Ein verlorener Auftrag ist dann nicht nur ein beruflicher Rückschlag. Er berührt auch das private Sicherheitsgefühl. Eine Investition ist nicht nur eine geschäftliche Entscheidung. Sie verändert auch den Alltag.


Das verlangt radikale Transparenz.


Nicht dramatisch. Nicht ständig. Aber ehrlich.


Wie viel Risiko können wir gerade tragen? Was macht uns Druck? Welche Entscheidungen fühlen sich mutig an, welche nur unruhig? Wo reden wir uns etwas schön, weil wir wollen, dass es funktioniert?


Diese Gespräche sind nicht immer angenehm. Aber sie sind notwendig.


Für uns gehört dazu auch, Zahlen nicht als Stimmungsthema zu behandeln. Wenn etwas unklar ist, schauen wir hin. Wenn etwas knapp ist, benennen wir es. Wenn etwas gut läuft, nehmen wir es ernst, ohne sofort leichtsinnig zu werden.


Das klingt nüchtern. Für ein Paar ist es aber sehr emotional.


Denn Transparenz bedeutet auch, die eigene Sorge auszusprechen, bevor sie sich in Gereiztheit verwandelt. Es bedeutet, nicht zu warten, bis aus Unsicherheit Vorwurf wird.


Heute sind wir ein Gründerpaar aus Kiel, das in Madrid FIERY+GLINT führt, ein spanisches Unternehmen für Marketing, Unternehmensberatung, Branding und Markenkommunikation für den DACH-Markt. Dieser Satz klingt klar. Dahinter stehen viele Gespräche, Entscheidungen und Momente, in denen wir neu sortieren mussten.


Die andere Seite ist ein großes Geschenk.

Bei all dem Druck gibt es eine Seite, die ich nicht unterschätzen möchte.


Ich habe ein Gegenüber, das jede Entscheidung mitträgt, weil es sie mitgetroffen hat. Jemanden, dem ich die Vision nicht erklären muss, weil er sie mitgebaut hat. Jemanden, der versteht, warum ein Satz auf einer Website nicht nur ein Satz ist, sondern manchmal eine ganze Haltung.


Das ist wertvoll.


Wenn wir über Kunden, Angebote oder Strategie sprechen, beginnen wir selten bei null. Wir teilen Kontext. Wir kennen die Gespräche, die Vorgeschichte, die leisen Zweifel und die größeren Ziele.


Genau deshalb war das Angebot an jenem Sonntag am Ende des Spaziergangs schneller durchdacht als an vielen Werktagen.


Nicht, weil Sonntag der bessere Arbeitstag ist. Sondern weil Vertrauen Denkwege verkürzt.


Wir mussten keine politische Schleife drehen. Wir mussten niemandem die Ausgangslage erklären. Wir konnten offen sagen, was noch fehlt, was stark ist und wo wir mutiger sein sollten.


Danach war wieder Madrid da. Der Brunnen. Die Sonne. Der Kaffee.


Und das Gefühl, dass unser Leben nicht sauber in zwei getrennte Bereiche passt, aber trotzdem funktionieren kann.


Was ich daraus mitnehme.

Liebe und Business als Paar funktionieren nicht, weil man sich besonders ähnlich ist. Auch nicht, weil man immer harmonisch bleibt.


Mann und Frau in weißen Hemden Rücken an Rücken vor rosa Wand; unten rechts Logo fiery+glint.
Mandy und Marcel stehen Rücken an Rücken als Geschäftspartner von FIERY+GLINT und strahlen Zuversicht und Verbundenheit aus.

Sie funktionieren, wenn beide bereit sind, Klarheit wichtiger zu nehmen als Bequemlichkeit.


Klarheit über Rollen. Klarheit über Geld. Klarheit über Verantwortung. Klarheit über Grenzen. Klarheit darüber, ob gerade die Unternehmerin, der Geschäftspartner oder der Mensch spricht, der einfach einen anstrengenden Tag hatte.


Für uns ist das kein fertiges System. Es ist tägliche Praxis für eine Firma, die Unternehmensberatung & Marketing anbietet.


Manchmal gelingt sie gut. Manchmal merken wir erst später, dass wir etwas anders hätten lösen können. Aber genau darin liegt vielleicht der Punkt: Ein gemeinsames Unternehmen als Paar braucht keine perfekte Balance. Es braucht die Bereitschaft, immer wieder neu auszuhandeln, was gerade trägt.


Gute Zusammenarbeit entsteht nicht durch dauerhafte Harmonie. Sie entsteht durch Vertrauen, klare Absprachen und den Mut, ehrlich zu bleiben, auch wenn es unbequem wird.


Und manchmal beginnt sie an einem Sonntag um 16:30 Uhr in Madrid, mit einem Satz über ein Angebot für Montag.


Mandy Petersen | CEO & Managing Director

FIERY+GLINT


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